Steigende Kosten: Interview zur IT-Beschaffung

Wie lässt sich die IT-Beschaffung 2026 in Unternehmen angesichts steigender Speicherpreise sinnvoll priorisieren? Diese und weitere Fragen beantworten Serkan Ates, Head of Logitech DACH, und Christoph Reisinger, Director Category Management Modern Work Bechtle Logistik & Service GmbH, im Interview.

Für Christoph Reisinger ist die PC-Erneuerung in Unternehmen ein zentraler Baustein der IT-Strategie. Abbildung: Bechtle
Für Christoph Reisinger ist die PC-Erneuerung in Unternehmen ein zentraler Baustein der IT-Strategie. Abbildung: Bechtle

OFFICE DEALZZ: Herr Reisinger und Herr Ates, Gartner zeichnet ein angespanntes Bild für die PC-Beschaffung 2026. Warum sollten Einkaufsverantwortliche jetzt handeln und nicht warten, bis die Preise steigen?

Christoph Reisinger: Die Entwicklung bei DRAM- und SSD-Preisen ist für viele Unternehmen nicht mehr nur ein theoretisches Planungsszenario. Sie taucht zunehmend in Budget- und Beschaffungsgesprächen auf. Wer jetzt Refresh-Zyklen plant, sollte deshalb nicht einfach mit Preisannahmen aus den Vorjahren weiterrechnen. Steigende Komponentenpreise erhöhen nicht nur den Einkaufspreis je Gerät, sie können auch komplette Rollout-Planungen verändern. Gleichzeitig bleibt klar: Der PC-Refresh ist ein zentraler Bestandteil moderner IT-Strategien. Geräte, die aus dem Support laufen, Sicherheitsanforderungen nicht mehr erfüllen oder mit aktuellen Betriebssystem- und Softwarezyklen nicht mehr kompatibel sind, müssen konsequent erneuert werden.

Betrifft das alle Unternehmen oder vor allem große IT-Organisationen mit hohem Rollout-Volumen?

Serkan Ates: Große Organisationen spüren solche Entwicklungen natürlich schnell, weil es um hohe Stückzahlen geht. Gleichzeitig kann der Druck auch für mittelständische Unternehmen deutlich spürbar sein, weil Preisveränderungen dort oft weniger gut über langfristige Rahmenvereinbarungen abgefedert werden können. Hinzu kommt: Viele Unternehmen haben in den vergangenen Jahren stark in hybride Arbeitsmodelle investiert. Die Mitarbeitenden erwarten heute eine Arbeitsumgebung, die diesen Anspruch auch technisch trägt. Deshalb geht es nicht nur um die Frage, wann ein Gerät ersetzt wird, sondern wie der gesamte Arbeitsplatz sicher, leistungsfähig und nutzerfreundlich gestaltet wird.

Serkan Ates hebt die Bedeutung von Peripheriegeräten bei der Betrachtung hybrider Arbeitsplätze hervor. Abbildung: Logitech
Serkan Ates hebt die Bedeutung von Peripheriegeräten bei der Betrachtung hybrider Arbeitsplätze hervor. Abbildung: Logitech

Wenn Refresh-Zyklen komplexer werden: Welche Folgen hat das für den Arbeitsalltag der Mitarbeitenden und warum sollte das Einkaufsverantwortliche interessieren?

Serkan Ates: In vielen Unternehmen wird beim PC-Refresh zuerst über Prozessorgeschwindigkeit, Speichergrößen und Gerätestandards gesprochen. Das ist wichtig. Mitarbeitende erleben ihren Arbeitsplatz aber täglich auch über die Komponenten, mit denen sie direkt arbeiten: Headset, Webcam, Tastatur, Maus oder Docking-Station. Wenn diese Ausstattung nicht zur Realität hybrider Arbeit passt, entstehen Reibungsverluste in Meetings, bei Fokusarbeit oder beim Wechsel zwischen Büro und Homeoffice. Schon wenige Minuten Verzögerung durch technische Probleme oder Konnektivität summieren sich über Teams, Standorte und Monate zu indirekten Kosten. Für den Einkauf ist das relevant, weil es nicht nur um den Anschaffungspreis eines Geräts geht, sondern um die Gesamtwirtschaftlichkeit eines Arbeitsplatzes über seinen Lebenszyklus.

Christoph Reisinger: Genau hier liegt eine Chance, die viele Einkaufsverantwortliche noch nicht systematisch nutzen. Peripherie kostet einen Bruchteil eines neuen PCs und kann das Arbeitserlebnis in vielen Fällen stärker verbessern als das Gerät selbst. Ein professionelles Headset mit KI-gestützter Geräuschunterdrückung, eine 4K-Webcam oder eine ergonomische Maus sind keine Luxusprodukte mehr, sondern Voraussetzung für effiziente hybride Zusammenarbeit. Wer das in seine Beschaffungsstrategie integriert, kann Produktivität und Mitarbeiterzufriedenheit erhalten – selbst wenn der nächste Geräterollout später kommt als geplant.

Sie empfehlen Unternehmen, Nutzergruppen zu segmentieren. Wie sieht das in der Praxis aus?

Christoph Reisinger: Ein einheitliches Ausstattungspaket für alle Mitarbeitenden ist weder effizient noch strategisch sinnvoll. Sinnvoller ist es, Arbeitsplätze nach Lifecycle-Status und Nutzungsszenarien zu betrachten. Zuerst muss klar sein: Welche Geräte müssen aus Sicherheits-, Support- oder Kompatibilitätsgründen erneuert werden? Danach lassen sich Nutzergruppen sinnvoll unterscheiden. Core User bilden meist die breite Belegschaft mit klassischer Büroarbeit, Standard-Kommunikation und regelmäßigen Videomeetings. Advanced User haben höhere Anforderungen, etwa durch intensive Kommunikation, Präsentationen, Analyse, Entwicklung oder Kreativarbeit. Ergonomic User benötigen Setups, bei denen Komfort, intensive Bildschirmarbeit und gesundheitliche Prävention stärker im Fokus stehen.

Serkan Ates: Diese Segmentierung schafft Transparenz – im Einkauf und in der IT. Statt nach dem Gießkannenprinzip alle gleich auszustatten, wird sichtbar, welche Nutzergruppen welche Anforderungen haben. Daraus lassen sich Arbeitsplatzpakete ableiten, die zum tatsächlichen Arbeitsprofil passen und den Device-Refresh gezielt flankieren. Der PC bleibt das Fundament des digitalen Arbeitsplatzes. Peripherie kann dieses Fundament ergänzen und dort schnell sichtbare Verbesserungen schaffen, wo Mitarbeitende täglich mit Technik interagieren.

Was empfehlen Sie Einkaufsverantwortlichen konkret für die Planung in den nächsten Monaten?

Christoph Reisinger: Drei Punkte stehen für mich im Vordergrund. Erstens: Refresh-Zyklen jetzt auf den Prüfstand stellen und Preisentwicklungen bei Speicherkomponenten aktiv in die Budgetplanung einbeziehen. Dabei müssen auch Security, End-of-Life-Szenarien, Betriebssystemwechsel, Compliance, ESG und TCO berücksichtigt werden. Zweitens: Nicht nur Endgeräte isoliert betrachten, sondern Nutzergruppen, Arbeitsplatzanforderungen und Lifecycle-Status gemeinsam analysieren. Drittens: Standards definieren. Wer Device-Refresh und Arbeitsplatzpakete zusammendenkt, reduziert Variantenvielfalt, vereinfacht Rollout und Support und macht Beschaffung besser steuerbar.

Serkan Ates: Qualität der täglichen Zusammenarbeit messen. Wo entstehen die größten Reibungsverluste? Sind es Meetingerfahrungen, ergonomische Defizite oder fehlende Flexibilität für hybride Szenarien? Bessere Arbeitsplatzkomponenten können hier schnell spürbare Verbesserungen bringen. Wichtig ist aber: Sie ersetzen keine notwendige Erneuerung des Rechners, wenn Leistung, Sicherheit oder Kompatibilität dies erfordern. Das Setup muss zum Arbeitsprofil passen, ergänzend zum PC, nicht an seiner Stelle.

Vielen Dank.