OFFICE-DEALZZ-Umfrage zur Corona-Krise

Wir haben zehn Entscheider renommierter Unternehmen der Bürobranche gefragt, welche Auswirkungen die Corona-Krise auf ihr Unternehmen hat und was sie von der Zeit nach der Pandemie für ihr Unternehmen und ihre Branche erwarten.

Abbildung: Pixabay
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Der im März von der Bundesregierung beschlossene Shutdown hat viele deutsche Händler und Hersteller innerhalb der Bürobranche getroffen. Das ifo-Institut hat dazu im März branchenübergreifende Konjunkturumfragen durchgeführt und einen Wertschöpfungsrückgang der gesamten deutschen Wirtschaft zwischen 152 und 538 Mrd. Euro prognostiziert, bei einer angenommenen Dauer des Shutdowns von 30 bis 90 Tagen. Die EU-Komission erwartet für Deutschland in diesem Jahr einen BIP-Rückgang um 6,5 Prozent, für 2021 wird mit einem Anstieg um 5,9 Prozent gerechnet.

Besonders stationäre Einzelhändler, aber auch viele Hersteller von Büroausstattung, müssen mit den Auswirkungen des Shutdowns kämpfen, sofern sie nicht über Online-Kanäle Umsätze generieren können. Während viele Online-Händler von der Krise profitieren konnten, gingen längst nicht alle als Gewinner aus der Situation hervor, wie eine Studie des Händlerbundes belegt hat. Nachdem Anfang Mai erste Lockerungen in Kraft getreten sind, scheint sich die wirtschaftliche Lage langsam wieder zu normalisieren. Das Zukunftsinstitut prophezeit allerdings, dass es keine „alte“ Normalität in der Wirtschaft mehr geben wird. Die Auswirkungen der Pandemie werden uns so oder so noch längere Zeit begleiten.

Dr. Benedikt Erdmann, Vorstand, Soennecken eG.

Soennecken-Erdmann„Einerseits ist auch Soennecken von Umsatzrückgängen betroffen. Gemeinsam mit unseren Mitgliedern können wir aber vielen Kunden durch entsprechende Sortimente und Dienstleistungen auch in dieser Zeit helfen. Andererseits können wir unsere Leistungsbereitschaft uneingeschränkt aufrechterhalten. Etwa 90 Prozent unserer Mitarbeiter aus der Verwaltung arbeiten von zu Hause. Unsere beiden Lager funktionieren einwandfrei. Wir beschäftigen uns intensiv mit den Herausforderungen in der nahen Zukunft. Im Einzelhandel war die Verzahnung der Ladengeschäfte mit passenden Online-Aktivitäten schon vor der Corona-Krise wichtig und bekommt durch die aktuelle Situation einen Schub. Generell erwarten wir einen Digitalisierungsschub. Daraus resultieren auch große Chancen.

Wir erwarten eine deutliche Verschiebung Richtung online und zu Digitalisierungsthemen – in nahezu allen Marktsegmenten. Wir haben daher beschlossen, unsere diesbezüglichen Aktivitäten massiv zu intensivieren. Das ist in Zeiten großer Ertragseinbußen eine enorme Herausforderung. Wenn es aber erhebliche Veränderungen gibt, müssen wir sofort mit weitreichenden Maßnahmen beginnen – auf der Ertrags- aber auch auf der Sortiments- und Kostenseite.“

Dr. Jochen Hahne, geschäftsführender Gesellschafter, Wilkhahn. 

Jochen_Hahne_Wilkhahn„In der Produktion arbeiten wir zeitversetzt und mit dem gebotenen Abstand. Die Hygiene- und Abstandsregeln sind Grundlage, den Betrieb aufrechtzuerhalten. Hier nutzen wir die Klaviatur unserer Möglichkeiten. So haben wir uns in Zeiten knapper Masken und Gesichtsvisiere in der eigenen Näherei und per 3-D-Druck selbst versorgt – und etwa auch bei Ärzten ausgeholfen, als es am dringlichsten war. Viele Kunden haben erstmal ganz andere Herausforderungen zu meistern, als sich neu einzurichten. Das macht natürlich auch uns zu schaffen. Gleichzeitig gibt es neue Chancen: Die Online-Kanäle boomen, das Home-Office offenbart seine Stärken und Schwächen, und im Büro ist mehr denn je maximale Flexibilität der Arbeitsplatzlayouts gefragt. Hier ist viel zu tun!

Identität, Zusammenarbeit und Wohlbefinden zu stärken, ist der Kern unserer DNA, der noch wertvoller sein wird als zuvor. Die Corona-Krise schärft das Bewusstsein für die wirklich wichtigen Bedürfnisse und Potenziale der Menschen.  Weil wir dafür richtig gute Lösungen anbieten, kommen wir gut aus der Kurve. Durch die konsequente Digitalisierung in allen Geschäftsprozessen wird die Welt aber auch bei uns eine andere, möglichst bessere sein.“

Peter Sperl, Managing Director Central, Northern and Eastern Europe, Avery Zweckform.

Sperl-Avery„Wie der größte Teil der deutschen Wirtschaft spüren auch wir die Auswirkungen der Corona-Krise ziemlich stark. Aufgrund der sinkenden Nachfrage haben wir unsere Kapazitäten in allen Unternehmensbereichen angepasst und ein größerer Teil unserer Mitarbeiter befindet sich in Kurzarbeit. Wir sind aber weiter voll funktionsfähig und beliefern unsere Kunden wie gewohnt aus einem gut gefüllten Lager. Wir sind insgesamt gut aufgestellt, um diese schwierige Zeit zu meistern und danach gestärkt in die Zukunft zu gehen.

Ich denke, die Corona-Krise wird nachhaltig auf unser Geschäft, aber auch auf die PBS-Branche allgemein wirken. Ich erwarte, dass es auf Industrieseite vermehrt Auswirkungen auf die Beschaffungs- und Lieferketten von Produkten geben wird. Verbraucher werden kritischer hinterfragen, woher Produkte stammen und wie diese hergestellt werden. Außerdem erwarten wir, dass die Corona-Krise Auswirkungen auf die PBS-Branchenstruktur haben wird: Unsere Branche ist nach wie vor sehr kleinteilig aufgestellt und ich fürchte, dass es post-Corona sowohl auf Hersteller- als auch auf Handelsseite weniger Marktteilnehmer geben wird als zuvor.“

Jörg Schäfers, Vorstand, Büroring eG.

Schaefers Bueroring„In der Büroring-Gruppe haben wir unser Tagesgeschäft zeitnah an die neuen Umstände angepasst. Die Gesundheitsvorsorge für unsere Mitarbeiter und die Aufrechterhaltung unserer Leistungen für unsere Mitglieder waren das oberste Ziel. Räumliche, zeitliche und inhaltliche Veränderungen wurden dabei vorbildlich realisiert. Die Ungewissheit über das, was wird und werden könnte, ist die größte Herausforderung. Dabei sehen wir nicht unsere Leistungsfähigkeit als Problem, sondern die mangelnde Erreichbarkeit der (End-)Kunden. Bestellte Ware, die nicht angenommen wird, kann nicht berechnet werden. Daher ist die sogenannte „rollende Ware“ ein aufwendiges und kostspieliges Phänomen.

Mittlerweile sind die ersten Beschränkungen gelockert worden und der Handel darf wieder öffnen. Sukzessive wird der Normalzustand gesucht, zu dem aber auch gehören wird, dass Kunden teilweise verschwunden sind und Bedarfe sich neu sortiert haben. Die verschiedenen Formen der dezentralen Arbeit werden eine wichtige Rolle einnehmen. Der Digitalisierung der Arbeitswelt werden diese Umstände einen immensen Aufwind geben. Daraus ergeben sich für unsere Branche Risiken, aber auch Chancen, die in greifbare Konzepte, Produkte und Lösungen umgesetzt werden müssen.“

Jörn von Ahlen, Leiter Marketing, Epson Deutschland GmbH.

Jörn von Ahlen-Epson„Epson ist als weltweit agierendes Unternehmen in besonderem Maße von den globalen Effekten dieser Pandemie betroffen. Die Herausforderungen auf der Produktions- und Logistikseite haben wir allerdings sehr gut im Griff, und unser breites Produktportfolio, mit dem wir in vielen unterschiedlichen Märkten und Branchen agieren, hilft uns, Nachfrageschwankungen gut auszugleichen. Wir haben zu einem sehr frühen Zeitpunkt fast alle Mitarbeiter der DACH-Organisation ins Home-Office verlegt und stellen so die Gesundheit unserer Mitarbeiter und ihrer Familien sicher. Der Geschäftsbetrieb inklusive Kundenkontakt wurde weitgehend über digitale Kommunikationsmittel aufrechterhalten.

Ich erwarte, dass die Digitalisierung in Deutschland einen mächtigen Schub erfährt, besonders im Bereich Bildung, aber auch im öffentlichen Sektor und in Bezug auf das Arbeiten von zu Hause. Die Art, wie wir miteinander arbeiten und kommunizieren, wird sich sicher nachhaltig verändern. Davon werden wir als Unternehmen profitieren.“

Dr. Jochen Ihring, Geschäftsführer, Dauphin HumanDesign Group GmbH & Co. KG.

Dauphin, Dr. Ihring„Die Corona-Krise hat weitreichende Auswirkungen auf unsere Branche und unser Unternehmen. Der Markt in Summe ist seit März deutlich eingebrochen. Im April mussten wir daher Kurzarbeit anmelden. Nach Ostern konnten wir die Produktion wieder vollumfänglich aufnehmen und alle Marken ausliefern. Büromöbel stehen in Krisenzeiten als Investitionsgut weit oben auf der Sparliste. Gefragt sind derzeit jedoch Home-Office-Möbel. Hier bieten wir mit unseren Marken Trendoffice und Bosse sehr gute, sofort lieferbare Lösungen an. Zudem haben wir unser Sortiment um Mund-Nasen-Masken erweitert.

Der Büromöbelmarkt wird sich nach der Corona-Krise nur langsam erholen. Es wird wahrscheinlich zwei bis drei Jahre dauern, unser altes Umsatzniveau zu erreichen. Das Home-Office wird ein fester Bestandteil der zukünftigen Arbeitswelt. Der Anspruch, den heimischen Arbeitsplatz professionell zu gestalten, wird wachsen. Arbeitsplätze in den Unternehmen werden sich verändern, in Bezug auf Verhalten (Abstand), Technik (Berührungslosigkeit) und Ausstattung (Hygiene). Mit Dauphin bieten wir Stuhlmodelle mit Armlehnen, Bauteilen und Polsterbezügen aus innovativem MicroSilver-BG-Material. Diese sind dauerhaft antimikrobiell wirksam.“

Rupert Lehner, Head of Central and Eastern Europe, Products Europe, Fujitsu.

Fujitsu-Lehner„Fujitsu hatte bereits vor der Corona-Krise flexible Arbeits- und Home-Office-Modelle, sodass wir schnell auf Corona reagieren und unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bestmöglich schützen konnten. Auch Videokonferenzlösungen und Kollaboration-Tools waren bereits etabliert und werden in der jetzigen Situation noch intensiver genutzt – speziell auch in der Zusammenarbeit mit Kunden und Partnern.

Vorausgesetzt, es kommt nicht zu einer erneuten Verschärfung der Pandemie, gehe ich davon aus, dass die Nachfrage nach IT-Produkten und -Services hoch bleibt, da viele Unternehmen, aber auch die öffentliche Hand die Digitalisierung derzeit schneller und intensiver vorantreiben, um auf die veränderten Anforderungen besser reagieren zu können. Dass diese Meinung auch unter unseren Kunden weit verbreitet ist, erfahren wir derzeit tagtäglich: Investitionen, beispielsweise in „Smart Workplace“-Lösungen für das komfortable und sichere Arbeiten von überall aus, werden von den meisten Unternehmen nicht nur als akute Reaktion auf Corona betrachtet, sondern auch als langfristig sinnvolle Investition, die nun aus aktuellem Anlass gegebenenfalls schneller als ursprünglich getätigt wird.“

Pascal Seifert, Marketingdirektor, Kyocera.

Seifert-Kyocera„Der Lockdown der Wirtschaft hat den allgemeinen Trend verdeutlicht: Die Nutzung ausgedruckter Dokumente hat abgenommen, die Nutzung digitaler Dokumente hat zugenommen. Die Corona-Krise hat also den Trend hin zu digital beschleunigt. Dies merken wir auch bei unseren Mitarbeitern. Glücklicherweise haben wir in den vergangenen Jahren viel in unsere Infrastruktur investiert, sodass wir den Service für unsere Partner und Kunden auch aus dem mobilen Arbeiten heraus aufrechterhalten konnten. So konnten wir sowohl unsere Mitarbeiter schützen als auch das Unternehmen am Laufen halten.

Generell sehen wir uns gut gerüstet für die Veränderungen im Markt, die durch Corona noch einen Schub bekommen haben. Das Portfolio von Kyocera deckt viele Aspekte rund ums Dokument ab, nicht nur Hardware, sondern auch Software und Services. Für uns ergeben sich keine neuen Schwerpunkte. Die aktuellen Entwicklungen stellen lediglich einen Trend dar, den jeder in der Branche schon seit Langem verfolgen kann. Wer das Portfolio von Kyocera in den letzten Jahren verfolgt hat, kann sehen, wie wir uns kontinuierlich breiter aufgestellt haben. Und diesen Weg gehen wir konsequent weiter.“

Nils Becker-Birck, Director ISP Information System Products DACH, LG Electronics Europe.

Becker-Birck LG„In den vergangenen Monaten hat das Corona-Virus uns sehr beschäftigt: Durch unsere Produktionsanlagen in Asien waren wir früh von Einschränkungen betroffen, kurz darauf stellten weltweit viele Unternehmen auf Home-Office um. In Deutschland ist die Nachfrage nach Monitoren laut GfK um 120 Prozent gestiegen, der Notebook-Absatz hat um 68 Prozent zugelegt. In dieser herausfordernden Situation standen Gesundheit und Sicherheit der Mitarbeiter für uns stets an erster Stelle. Wir haben das Tagesgeschäft gut gemeistert, weil wir unsere Prozesse schnell und agil angepasst haben. Unsere Produkte sind wieder weitgehend normal verfügbar, einige Einführungen haben sich leicht verschoben. Die Notebookreihe LG gram kommt in Deutschland planmäßig Mitte Mai auf den Markt.

Für eine solide Prognose für die Zeit nach Corona ist es noch zu früh. Wir sind aber sicher, dass die Erfahrungen mit Home-Office-Arbeit die Arbeitsplatzsituation langfristig und nachhaltig beeinflussen wird. Daraus werden sich auch neue Anforderungen an die IT-Ausstattung ergeben. Dies sehen wir als Chance, die Positionierung von LG als End-to-End-Lösungsanbieter für den modernen Arbeitsplatz weiter auszubauen.“

Andrea Günther, Geschäftsführung, Pilot Pen Deutschland.

Günther-PilotPen„Die aktuelle Situation ist auch für uns neu und herausfordernd. Erste Priorität hat dabei die Gesundheit unserer Mitarbeiter, Partner und Kunden. Durch Hygienemaßnahmen konnten wir unseren Geschäftsbetrieb ohne größere Einschränkungen aufrechterhalten. Auch die Arbeitsplätze unserer Mitarbeiter sind gesichert, was uns ein besonderes Anliegen war. Viele sind seit Jahren im Unternehmen und haben durch ihren Einsatz maßgeblich zum Erfolg beigetragen. Wir haben bereits im vergangenen Jahr die technischen Voraussetzungen für veränderte Arbeitsweisen geschaffen, sodass ein digitales Arbeiten schnell möglich war.

Der Lockdown hat viele unserer Kunden hart getroffen. Gemeinsam ist es uns jedoch gelungen, auch hier individuelle Lösungen zu finden und den Handel gezielt zu unterstützen. Der kooperative Austausch mit unseren Kunden war und ist an dieser Stelle der entscheidende Faktor. Die wirtschaftlichen Auswirkungen auf die PBS-Branche sind final noch nicht abzusehen, werden uns aber noch einige Zeit beschäftigen. Dennoch hat die Krise auch positive Impulse gebracht: Der Boom im Kreativsegment hat sich weiter verstärkt, da Produkte für kreatives Gestalten und DIY vermehrt nachgefragt werden.“