Kaffee und Klima: Interview mit Holger Preibisch vom Deutschen Kaffeeverband

Wir sprachen mit Holger Preibisch, Hauptgeschäftsführer Deutscher Kaffeeverband e.V., unter anderem über Kaffeealternativen, die beiden Konzepte „Coffee-as-a-Service“ und „Work Café“ sowie um das auch für die Kaffeebranche sehr wichtige Thema Nachhaltigkeit.

Holger Preibisch, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Kaffeeverbands e. V. Abbildung: Deutscher Kaffeeverband
Holger Preibisch, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Kaffeeverbands e. V. Abbildung: Deutscher Kaffeeverband

OFFICE ROXX: Herr Preibisch, wie sind die im Deutschen Kaffeeverband organisierten Unternehmen durch die wirtschaftlich schwierigen Jahre 2024/25 gekommen?

Holger Preibisch: Die Kaffeevielfalt spiegelt sich in der Vielfalt der Unternehmen wider, die im Deutschen Kaffeeverband Mitglied sind. Entsprechend vielfältig sind auch die wirtschaftlichen Entwicklungen der einzelnen Firmen.

Kaffeealternativen wie Matcha- und Guarana-Tees etc. drängen auf den Markt. Sehen Sie darin eine ernsthafte Konkurrenz oder eine Belebung des Gesamtmarktes rund um Kaffeekultur?

Wir sehen das weniger als „Entweder-oder“, sondern als Ausdruck eines breiteren Trends: Menschen interessieren sich stärker für Genuss, Rituale, Funktionalität und Herkunft ihrer Getränke. Einige Alternativen sprechen andere Bedürfnisse an – etwa weniger Säure, andere Aromen oder ein Wellness-Image. Kaffee ist jedoch in Deutschland tief verankert: Geschmack, Vielfalt, Zubereitungskultur und soziale Funktion sind schwer zu ersetzen. Wir erwarten daher keine Verdrängung, sondern eher eine stärkere Segmentierung. Mehr Vielfalt im Heißgetränkemarkt, und Kaffee bleibt der Anker.

Wie hat sich das Geschäftsmodell „Coffee-as-a-Service“ im Office-Bereich seit dem Ende der Pandemie entwickelt?

Seit dem Ende der akuten Pandemiephase hat sich „Coffee-as-a-Service“ klar professionalisiert. Unternehmen investieren gezielter in verlässliche Systeme, Service- und Wartungspakete, planbare Kostenmodelle und skalierbare Lösungen für hybride Arbeitswelten.

Gastlichkeit wird im Office wichtiger und das Konzept „Work Café“ gewinnt an Bedeutung. Spürt die Kaffeebranche schon einen Effekt?

Ja, wir spüren das. Viele Unternehmen gestalten Büros zunehmend als Orte für Begegnung, Austausch und Identifikation. Genau dort spielt Kaffee eine zentrale Rolle. Das „Work Café“ ist im Kern eine Gastlichkeitsidee: Wer Mitarbeitende und Gäste ins Büro holen möchte, muss Atmosphäre und Angebot schaffen. Für die Branche bedeutet das mehr Nachfrage nach wertigeren Bohnen, besseren Mühlen-/Maschinenkonzepten, Milch- und Pflanzendrinks, Barista-Elementen und Servicelösungen, die Erlebnis und Qualität sichern. Kaffee wird im Office stärker zum Teil der Employer Experience.

Wo sehen Sie aktuell die größten Hebel für Unternehmen der Kaffeebranche, um sich nachhaltiger aufzustellen?

Die größten Hebel sehen wir entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

  • Klimaanpassung im Ursprung: Investitionen in resilientere Sorten, Schattenanbau, Bodenaufbau, Wassermanagement und Beratung für Farmen.
  • Existenzsichernde Perspektiven: Langfristige Partnerschaften, mehr Planungssicherheit und Modelle, die Qualität und Nachhaltigkeit fair vergüten.
  • Entwaldungsfreie, transparente Lieferketten: Rückverfolgbarkeit, Risikomanagement und Zusammenarbeit in Anbauregionen.
  • Ressourceneffizienz in Rösterei und Betrieb: Energieeffizienz, erneuerbare Energie, optimierte Logistik, weniger Abfall.
  • Verpackung & Kreislauf: Materialreduktion, recyclingfähige Lösungen, Pfand-/Rücknahmesysteme, wo sinnvoll.
  • Zubereitung & Konsum: Vermeidung von Lebensmittelabfällen, effiziente Geräte, bewusster Umgang mit Milch/Pflanzendrinks und Wasser.

Gibt es ein Thema, das die Kaffeebranche aktuell umtreibt, das in der öffentlichen Diskussion aber noch zu wenig Beachtung findet?

Ein zentrales, oft unterschätztes Thema ist die Zukunft der Kaffeeproduktion unter Klimadruck. Nicht als abstraktes Nachhaltigkeitsthema, sondern als konkrete Frage der Versorgungssicherheit. Wo kann Kaffee in 10–20 Jahren noch zuverlässig angebaut werden und welche Investitionen sind heute nötig? Dazu gehört auch die soziale Dimension: Generationenwechsel im Anbau, Abwanderung junger Menschen aus der Landwirtschaft und die Frage, ob Kaffeeanbau für Familien wirtschaftlich attraktiv bleibt. Wenn wir wollen, dass Kaffee langfristig verfügbar bleibt, braucht es mehr Aufmerksamkeit für Resilienz, Finanzierung und Zusammenarbeit entlang der Kette – vom Ursprung bis zum Handel und zur Gastronomie.

Vielen Dank.

Die Fragen stellte Gerrit Krämer.