Interface feiert Jubiläum in Krefeld

Seit zehn Jahren befindet sich der Deutschlandsitz von Interface im historischen Pförtnerhaus des Mies van der Rohe Campus in Krefeld. Im November 2016 bezog der Hersteller modularer Bodenbeläge das Gebäude am Eingang des Areals.

Der Deutschlandsitz von Interface im historischen Pförtnerhaus des Mies van der Rohe Campus in Krefeld. Abbildung: Lichthalle Krefeld
Der Deutschlandsitz von Interface im historischen Pförtnerhaus des Mies van der Rohe Campus in Krefeld. Abbildung: Lichthalle Krefeld

Heute ist der Standort zugleich Showroom, Begegnungsort und gelebtes Markenstatement: Hier verbindet Interface Krefelds Textiltradition mit der Architekturgeschichte Ludwig Mies van der Rohes und dem eigenen Anspruch an modernes und ressourcenschonendes Design.

Showroom-Konzept in historischer Architektur

Mies van der Rohe realisierte von 1930 bis 1931 auf dem ehemaligen Verseidag-Areal seinen weltweit einzigen Industriebau. Das Pförtnerhaus selbst wurde 1935/36 nach Entwürfen des Bauhaus-Schülers und Verseidag-Werksarchitekten Erich Holthoff errichtet – in direktem Bezug zur Formensprache Mies van der Rohes. Die Klarheit und Reduktion der historischen Architektur bilden den Ausgangspunkt für die Gestaltung des rund 650 m2 großen, denkmalgeschützten Living WorkPlace von Interface.

Mies van der Rohes Gedanken des freien Grundrisses und des universalen Raums finden hier eine zeitgemäße Weiterführung: Die bauliche Struktur tritt wieder in den Vordergrund, Einbauten wurden zurückgenommen, Blickachsen freigelegt. Was 2016 als modernes Büro- und Showroom-Konzept begann, wirkt heute wie ein frühes Beispiel für viele Fragen, die Unternehmen aktuell beschäftigen: Wie lassen sich Bestandsgebäude ressourcenschonend nutzen? Wie sehen flexible Arbeitsorte aus? Und wie können Innenräume Gesundheit, Austausch und fokussiertes Arbeiten unterstützen?

Wo Natur und New Work zusammenfinden

Das nach den Prinzipien des Biophilic Design gestaltete Büro verbindet biomorphe Oberflächen, Formen und Muster mit Natur im Raum. Eine Wasserwand über zwei Geschosse, Pflanzen und eine Ausschachtung zur Sanierung und Freilegung des ehemaligen Kellerbereichs schaffen unmittelbare Bezüge zur Natur. Organisch geformte Funktionseinheiten und klar definierte Zonierungen ermöglichen auf zwei Ebenen einen flexiblen Mix aus Arbeits-, Kommunikations- und Ruhebereichen. Das strenge Raster der historischen Architektur bleibt dabei als Ordnungsprinzip ablesbar und wird zugleich bewusst gebrochen: Während sich die Arbeitsplätze im Erdgeschoss in das originale Raster einordnen, treten der Bibliotheksbereich sowie die Kitchenette als organisch geformte Einheiten aus ihm heraus. Das Untergeschoss prägen weitere Arbeitsplätze, ein Kollektionstisch zur intensiven Erkundung von Teppichfliesen- und LVT-Mustern und eine Küche.

Für rund 25 Mitarbeitende stehen sowohl öffentliche, halböffentliche als auch Rückzugsorte für konzentriertes Arbeiten zur Verfügung. Abbildung: Bernadette Grimmenstein
Für rund 25 Mitarbeitende stehen sowohl öffentliche, halböffentliche als auch Rückzugsorte für konzentriertes Arbeiten zur Verfügung. Abbildung: Bernadette Grimmenstein

Der Living WorkPlace von Interface

Für rund 25 Mitarbeitende und deren unterschiedliche sensorische Bedürfnisse stehen sowohl öffentliche Bereiche zum Austausch mit Gästen, halböffentliche Gemeinschafts- als auch private Rückzugsorte für konzentriertes Arbeiten zur Verfügung. Desk-Sharing unterstützt flexible Arbeitsmodelle im Alltag. Ergänzt wird das Konzept durch Sitz-Steh-Arbeitsplätze und Bewegungsangebote. Für die Verbindung von Nachhaltigkeit, Nutzerorientierung und gesundheitsfördernder Innenraumgestaltung erhielt der Deutschlandsitz im November 2017 außerdem als erstes Büroprojekt das DGNB-Zertifikat für nachhaltige Innenräume in Platin.

Ein Ort im fortlaufenden Dialog

Aus Sicht der historischen Bauforschung liegt die Qualität des Standorts in seiner Weiterentwicklung. „Erhalt gelingt vor allem dann, wenn Gebäude in einem fortlaufenden Prozess des Dialogs mit der Architektur genutzt werden”, betont Prof. Norbert Hanenberg, Architekt, Bauforscher und Spezialist für die Bauten Mies van der Rohes. „Der Living WorkPlace repräsentiert seit zehn Jahren eine Arbeitswelt im Wandel. Er ist kein fertiger Ort und kein übertragbares Idealbild, sondern ein realer Erfahrungsraum”, sagt Anne Salditt, Director, EMEA Marketing bei Interface. „Räume müssen lernfähig sein – und wir müssen bereit sein, sie immer wieder neu zu hinterfragen. Das bedeutet, dass Flächen flexibel jederzeit neu geplant werden können: Bei dem Umbau 2016 wurde durch bauliche Maßnahmen Bürofläche im Kellergeschoss erschlossen; später wandelten wir Präsentations- in Meetingräume um und Bereiche, die davor für Besprechungen dienten, in Arbeitsplätze. Der Standort zeigt, wie Arbeitsorte auf Veränderungen reagieren können und gleichzeitig neue Fragen entstehen lassen.”

Begegnungsort für Fachpublikum – analog, hybrid, aktuell

Der Showroom in Krefeld dient dem Austausch mit Kunden und Partnern sowie als Plattform für eigene Veranstaltungen und Weiterbildungsangebote. Als „Architekturjuwel“ ist der Ort zudem Ausgangspunkt, um Gästen die Geschichte von Mies van der Rohe und des Bauhaus in Krefeld näherzubringen. Bereits zum 100-jährigen Bauhaus-Jubiläum fanden hier Veranstaltungen und Führungen für Architekten und Planern statt.