Seit 1. Januar 2026 ist Stefan Salzer neuer Vorstandsvorsitzender der Soennecken eG. Wir sprachen mit ihm über eine Branche im Wandel, die Entwicklung einzelner Bürobereiche, Mitgliedergewinnung in schwierigen Zeiten und vieles mehr.

Herr Salzer, Sie sind seit dem 1. Januar neuer Vorstandsvorsitzender der Soennecken eG. Wie gut sind Sie angekommen?
Stefan Salzer: Sehr gut. Ich habe Soennecken als eine Organisation mit großer Substanz und gleichzeitig hohem Veränderungswillen kennengelernt. Besonders beeindruckt hat mich die Nähe zu unseren Mitgliedern. Mein Hintergrund liegt ja weder in der PBS- noch in der Genossenschaftswelt, sondern im Handel und der Unternehmensberatung. Dementsprechend darf ich aktuell viel vom Team und den Mitgliedern lernen, während ich eine Handelsfokussierung mitbringe, die bisher nicht überall bei Soennecken präsent war. Mit meinem Vorstandskollegen Georg Mersmann harmoniere und ergänze ich mich sehr gut. Wir blicken gemeinsam optimistisch auf die vor uns liegende Aufgabe.
Welchen beruflichen Hintergrund haben Sie?
Wenn man meine Laufbahn mit einem Begriff zusammenfassen möchte, dann ist es der Handel. Ich war mehr als 17 Jahre für die Unternehmensberatung Boston Consulting Group in Deutschland, Europa und Südafrika tätig, zuletzt als Partner und Geschäftsführer. Ich habe dort vor allem Kunden aus dem Handel durch komplexe Transformationen begleitet. Anschließend war ich Geschäftsführer bei Tennis-Point, bevor ich mich 2024 als Berater und Interimsmanager für Handel und E-Commerce selbstständig machte. Meine Leidenschaft für den Handel zieht sich wie ein roter Faden durch meinen Lebenslauf. Dies bringe ich tagtäglich bei Soennecken ein.
Kann 2026 für Soennecken ein besseres Geschäftsjahr als 2025 werden?
Auch für 2026 erwarten wir ein anspruchsvolles Marktumfeld, geprägt durch den strukturellen Rückgang im Bürobedarf und in der Bürotechnik. Zusätzlich geben uns die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen alles andere als Rückenwind und wir rechnen auch nicht mit einer signifikanten Entspannung der geopolitischen Konfliktlage. Entscheidend ist aber, wie wir damit umgehen: Unser klarer Fokus liegt auf dem Erfolg unserer Mitglieder. Daher haben unsere genossenschaftlichen Kernaufgaben für uns oberste Priorität. Wir schaffen die Rahmenbedingungen, damit unsere Mitglieder auch in einem herausfordernden Markt wachsen und sich differenzieren können. 2026 wird somit für uns ein Jahr der Stabilisierung und Erneuerung. Wir leiten die Weichenstellungen ein, um in unserem sich stark wandelnden Markt zukunftsfähig zu bleiben.
Wie entwickeln sich die Bereiche Bürobedarf, Bürotechnik und Büroeinrichtung bei Ihnen?
Der strukturelle Rückgang in unseren Kernsegmenten bleibt deutlich spürbar: Der Bereich Bürobedarf lag 2025 bei –9,5 Prozent, die Bürotechnik bei –10,7 Prozent. Das unterstreicht, wie wichtig es ist, unser Portfolio konsequent weiterzuentwickeln, etwa durch den Ausbau nicht digitalisierbarer Warengruppen und den Wandel hin zu serviceorientierten Geschäftsmodellen wie Managed Services. Deutlich erfreulicher entwickelt sich der Bereich Büroeinrichtung: Trotz rückläufigem Markt konnten wir 2025 um 3,2 Prozent wachsen. Der Trend ist klar: weg vom Produkt, hin zur Lösung. Gefragt sind ganzheitliche Raum- und Arbeitsplatzkonzepte statt einzelner Möbel.
Welche Sortimente außerhalb der klassischen Büroarbeitswelt gewinnen an Bedeutung für Soennecken?
Die Entwicklung unseres Großhandelsgeschäfts über die letzten zehn Jahre zeigt deutlich, dass wir uns längst vom klassischen Bürobedarfsanbieter zum ganzheitlichen C-Artikel-Lieferanten entwickelt haben. Erweiterte Sortimente machen heute bereits ein Drittel des gesamten Großhandelsgeschäftes aus. Wachstumstreiber sind derzeit Kategorien wie Outdoor-Arbeiten, Baumarkt & Garten sowie auch saisonale Angebote (unter anderem Ostern, Weihnachten). Zudem die bereits fest etablierten und großvolumigen Bereiche Catering & Food sowie Hygiene & Reinigung.
Sind Partnerschaften mit anderen Großhändlern bzw. Genossenschaften geplant?
Im Zuge unserer Sortimentsstrategie beantworten wir auch die Frage „selber machen oder über Partner abwickeln?“ Erlauben Sie mir, dass ich Ihnen hier keinen Einblick in aktuell laufende strategische Entscheidungsprozesse gebe. Aber ich kann Ihnen versichern, dass wir alle Entscheidungen im Sinne unserer Mitglieder fällen, ohne Dogmen oder Tabus.
Beratung und Planung werden branchenübergreifend immer wichtiger. Wie reagiert Soennecken auf diesen Trend?
Im Bereich Büroeinrichtung haben wir den Trend früh erkannt und mit „wir sind raum“ ein bundesweit agierendes Arbeitsweltennetzwerk mit 15 angeschlossenen Mitgliedern und rund 150 Expertinnen und Experten aus den Bereichen Consulting, Planung, Gestaltung und Handwerk aufgebaut. Statt reiner Büromöbel liefert „wir sind raum“ zukunftsfähige Büro- und Arbeitsplatzkonzepte. Das ist aus meiner Sicht ein gutes Beispiel dafür, wie wir als Genossenschaft die Stärke der Gemeinschaft im Markt nutzen. Unterschiedliche Soennecken-Mitglieder bündeln ihre Kräfte, arbeiten gemeinsam und mit Fachexperten aus der Zentrale in Overath Hand in Hand an Projekten, um für unsere Kunden den größtmöglichen Mehrwert zu liefern und generieren mittlerweile über 70 Millionen Euro Umsatz.
Wie begeistert Soennecken neue Mitglieder und Lieferanten für sich?
Wir sind eine der größten Genossenschaften der Branche. In einem sich konsolidierenden Markt wird Größe dann zum Vorteil, wenn sie echten Mehrwert schafft. Genau daran arbeiten wir: Wir stärken unsere Mitglieder dort, wo sie allein an Grenzen stoßen. Das bedeutet für uns zuallererst, eine starke Performance in unseren Kernleistungen Logistik, Einkaufskonditionen, Zentralregulierung und Sortiment zu liefern. Gleichzeitig bedeutet es aber auch, die richtigen digitalen Lösungen anzubieten sowie Zukunftsthemen voranzutreiben. Im Mai konnten unsere Mitglieder zum Beispiel die ersten Kunden auf unsere neue E-Procurement-Lösung YourProcure umstellen und auch unsere E-Commerce-Lösung YourCommerce entwickeln wir kontinuierlich weiter.
Gleichzeitig profitieren Lieferanten von unserem Zugang zu rund 470 Unternehmen. Wir verstehen uns dabei als verbindendes Element zwischen Industrie und Handel. Insbesondere der Fachhandel stellt hier für Hersteller eine wichtige Funktion gegenüber reinen Onlinehändlern dar: Onlinehändler sind spezialisiert darauf, existierende Nachfrage zu bedienen. Fachhändler können mehr. Sie sind in der Lage, Nachfrage zu erzeugen und diese in der persönlichen Interaktion mit dem Nutzer zu steuern. Diesen einzigartigen Vorteil des Fachhandelskanals wissen unsere Lieferanten zu schätzen. Unser Anspruch ist klar: Wir wollen den Wandel der Branche aktiv mitgestalten und vorantreiben als Impulsgeber, Vernetzer und verlässlicher Partner für unsere Mitglieder und Lieferanten.
Was ist darüber hinaus wichtig für Sie?
Ich kann jeden Leser und jede Leserin dazu ermuntern, das eigene Einkaufsverhalten kritisch zu hinterfragen: Unterstützen Sie bewusst den mittelständischen Fachhandel vor Ort – und damit einen wesentlichen Teil des Rückgrats der deutschen Wirtschaft – statt internationale Großkonzerne.
Vielen Dank.
Die Fragen stellte Gerrit Krämer.

