Welche Bedeutung der 6. Februar 2027 für die Frühjahrsware von Fachhändlern hat, erläutert Hendrik Mühler, Gründer und Geschäftsführer des Beschaffungspartners RLK Group, im zweiten Teil seiner Kolumne.

Das chinesische Neujahr fällt 2027 auf Samstag, den 6. Februar. Das ist elf Tage früher als im Vorjahr und diese elf Tage sind der Grund, warum dieser Text im November erscheint und nicht im Januar. Wer Frühjahrsware braucht, entscheidet jetzt. Ein Fahrplan aus der Beschaffungssicht, rückwärts gerechnet.
Der Feiertag ist nicht die Unterbrechung
Offiziell beginnt das Fest 2027 am 5. Februar und dauert nach dem Muster der Vorjahre rund eine Woche, voraussichtlich bis zum 11. Februar. Die amtliche Bekanntmachung des Staatsrats für 2027 lag bei Redaktionsschluss noch nicht vor. Diese eine Woche ist die kleinste Zahl im ganzen Vorgang und deshalb die irreführendste. In der Praxis läuft die Produktion drei bis vier Wochen vorher herunter. Wanderarbeiter reisen früher in ihre Heimatprovinzen, Vorprodukte gehen aus und die Taktung sinkt, lange bevor das Werk offiziell schließt. Die vollständige Schließung liegt dann meist zwischen Ende Januar und Mitte Februar. Je nach Provinz und Betriebsgröße sind das zwei bis vier Wochen.
Entscheidend ist dabei weniger das Hauptwerk, von dem Fachhändler ihre Zusage haben, als dessen Zulieferer. Der Kartonagenlieferant, der Druckbetrieb, der Beschlaghersteller: Kleinere Betriebe schließen in der Regel früher und länger. Eine Zusage des Hauptwerks ist also nur so belastbar wie die Kette dahinter, und über die sagt die Zusage nichts.
Rückwärts vom 6. Februar
Für die Disposition zählen vier Zeitpunkte und drei davon liegen vor dem Jahreswechsel. Produktion mit Sonderanfertigung, also Eigenmarke, Sonderfarbe, eigene Verpackung oder geänderte Konfektionierung musste im Spätsommer und Frühherbst beauftragt sein. Dieser Zug ist für Februarware abgefahren. Standardproduktion aus laufenden Formen und Werkzeugen war im September und Oktober zu platzieren. Auch hier gilt für die meisten Sortimente: zu spät.
Was im November noch geht, ist die Finalisierung. Bestätigte Aufträge absichern, Mengen nachziehen, Teillieferungen festlegen, Verladetermine fixieren. Das Fenster dafür reicht etwa bis Anfang Dezember. Danach bleibt nur noch die Eilschiene und die schließt Anfang bis Mitte Januar. Eilaufträge in diesem Zeitraum sind möglich, aber sie sind teuer, sie stehen in der Reihenfolge hinten und sie treffen auf Werke, die bereits auf Abbau fahren.
Verladung und Raten
Seefracht will drei bis vier Wochen vor Abfahrt gebucht sein. Das brauchbare Verladefenster für Ware, die vor dem Fest aus dem Hafen soll, liegt damit in der zweiten Hälfte des Januars. Luftfracht lässt sich kürzer disponieren, ein bis zwei Wochen vorher, aber auch dort wird es in der letzten Januarwoche eng.
Bei den Raten gilt eine Regel, die der Intuition widerspricht: Das späteste Buchungsfenster ist nicht das günstigste. Die Raten ziehen typischerweise ab Mitte Dezember an, mit allgemeinen Erhöhungen im Abstand von einer bis zwei Wochen und zusätzlichen Hochsaisonzuschlägen im Januar. Dass die Spotraten von Asien nach Nordeuropa seit dem Sommer dreizehn Wochen in Folge gefallen sind, ändert daran nichts. Mitte Oktober haben die Reedereien die ersten Erhöhungen wieder durchgesetzt. Wer wartet, zahlt mehr und bekommt weniger Auswahl bei Equipment und Slots. Die Hoffnung auf einen Last-Minute-Preis ist im Januar vor dem Neujahrsfest regelmäßig die teuerste Position im Einkauf.
Der Rückweg ist langsamer als der Stillstand
Das ist der Punkt, den europäische Einkäufer am häufigsten unterschätzen. Ein Werk, das am Montag nach dem Fest wieder öffnet, produziert nicht am Montag nach dem Fest. Die Belegschaft kehrt gestaffelt zurück. In den ersten Tagen arbeiten viele Betriebe mit etwa einem Drittel der Mannschaft. Die volle Leistung ist erfahrungsgemäß erst vier bis sechs Wochen nach Beginn des Festes erreicht, 2027 also irgendwo im März. Dazu kommt ein Effekt, der sich nicht im Kalender abbilden lässt: Ein Teil der Arbeiter kehrt nicht zum vorherigen Arbeitgeber zurück. In der Branche wird regelmäßig von bis zu einem Viertel gesprochen. Für Händler heißt das, dass die Wochen nach dem Fest nicht nur die langsamsten des Jahres sind, sondern auch die mit der höchsten Streuung in der Qualität. Neu angelernte Kräfte an bekannten Maschinen sind der häufigste Grund für Abweichungen, die niemand erklären kann. Wareneingangsprüfungen im März sollten entsprechend engmaschiger ausfallen als im Oktober.
Woran Sie im November eine belastbare Zusage erkennen
Dies ist der Teil, den nur die Lieferseite beantworten kann, und er ist praktischer als jede Tabelle.
- Fragen Sie nicht nach dem Produktionstermin, sondern nach dem Verladetermin. Der Produktionstermin ist eine Absicht, der Verladetermin ist eine Buchung.
- Fragen Sie, welche Zulieferer an dem Artikel beteiligt sind und wann diese schließen. Ein Werk, das diese Frage aus dem Stand beantwortet, hat seine Kette im Blick. Ein Werk, das ausweicht, hat sie nicht.
- Fragen Sie, ob Ihr Auftrag vor oder nach der letzten gebuchten Verladung des Werks liegt. Diese Frage ist unangenehm und genau deshalb nützlich.
Und misstrauen Sie der Antwort, die auf Deutsch mit „kein Problem“ übersetzt wird. Sie ist in der Regel höflich gemeint und selten eine Zusage. Eine belastbare Antwort enthält ein Datum, einen Namen und eine Einschränkung.
Was bis wann entschieden sein sollte
- Bis Ende November: Bestätigte Aufträge für Februarware gegengezeichnet, Verladetermine schriftlich, Teillieferungen und Prioritäten innerhalb des Auftrags festgelegt.
- Bis Anfang Dezember: Frachtbuchung angestoßen, Zahlungs- und Dokumentenlauf abgestimmt, Ersatzszenario für den Fall benannt, dass eine Position nicht mitkommt.
- Bis Mitte Januar: Entscheidung über Eilpositionen getroffen, Lagerreichweite bis Mitte März gerechnet, nicht bis Ende Februar.
- Bis Ende Februar: Wareneingangsprüfung für die erste Lieferung nach dem Fest verschärft eingeplant.
Der 6. Februar 2027 ist ein Samstag. Die Entscheidungen dazu fallen im November.
![]() Hendrik Mühler Jurist, Gründer und Geschäftsführer der RLK Group. |


