Seit August 2025 ist Ingo Dewitz zurück bei der Büroring eG. Im Interview beschreibt der Vorstand Marketing und Vertrieb unter anderem die aktuelle Lage der Genossenschaft, ihre Pläne für die kurz- und mittelfristige Zukunft sowie die Chancen und Herausforderungen, die die Digitalisierung der PBS-Branche bietet.

OFFICE DEALZZ: Herr Dewitz, Sie sind zurückgekehrt. Bis Anfang 2019 waren Sie schon einmal Vorstand Sales & Marketing beim Büroring. Welche Erfahrungen von Ihren Stationen bei Staples, Lyreco und Sigel können Sie nun einbringen?
Ingo Dewitz: Nicht nur die einzelnen Stationen, sondern vor allem die vielen Jahre in Industrie und Handel innerhalb unserer Branche bilden die Grundlage, um die Aufgaben einer Verbundgruppe mit ihren vielfältigen Perspektiven richtig einzuordnen und durch gezieltes Handeln zukunftsfähig zu gestalten. Die Integration von Staples in den Lyreco-Konzern war dabei eine besonders facettenreiche Erfahrung. Sie hat meine Sicht auf die enormen Entwicklungsmöglichkeiten bereits starker Vertriebsorganisationen geschärft. Auch die Zeit bei Sigel hat gezeigt, dass die PBS-Industrie selbst in Phasen intensiver Digitalisierung hervorragende Chancen besitzt, zusätzliche oder völlig neue Geschäftsfelder zu erschließen. Diese Kombination aus Handels-, Industrie- und Transformationsperspektive bringe ich nun gezielt beim Büroring ein.
Seit sieben Monaten sind Sie erneut im Büroring-Vorstand. Wie fällt Ihre bisherige Bilanz aus?
Wir bewegen uns in einem klaren Spannungsfeld: Bewährtes stärken und ausbauen – gleichzeitig Strukturen konsequent zukunftsfähig gestalten. Dazu gehört auch, Perspektivloses klar zu beenden. Neue Themen beherzt anzugehen und alte Zöpfe abzuschneiden, ist uns im Team gut gelungen. Besonders freut mich, dass Mitarbeitende, Mitglieder, Partner und Lieferanten diesen Weg konstruktiv mitgehen. In einem solchen Umfeld lässt sich deutlich mehr bewegen, als man zunächst für möglich hält. Dafür gilt mein ausdrücklicher Dank allen Beteiligten.
Ihr Vorgänger hat die Transformation des Bürorings als Langlauf bezeichnet. Wo steht der Büroring aktuell?
Das Bild des Langlaufs passt sehr gut. Zunächst müssen die richtigen Weichen gestellt werden, danach folgt die akribische, kontinuierliche Arbeit an den einzelnen Etappen. Das braucht Zeit. Wichtig sind klar definierte Zwischenziele, die dauerhaft präsent und messbar bleiben. Ebenso wichtig ist der Mut, Korrekturen vorzunehmen, wenn sich Rahmenbedingungen ändern oder bessere Alternativen entstehen. Wir denken vom Zielbild her. Der Transformationsprozess ist langfristig angelegt und wird bis Ende 2028 konsequent umgesetzt.
Was sind die wichtigsten Schritte auf Ihrer Agenda für dieses Jahr und in den nächsten fünf Jahren?
An erster Stelle steht der wirtschaftliche Förderauftrag des Bürorings für seine Mitglieder. Daraus leiten sich alle weiteren Schritte ab. Wir entwickeln hoch skalierbare und zukunftsfähige Mehrwertleistungen für den Handel. Konkret bedeutet das: ein echtes One-Stop-Shopping-Erlebnis und eine 360-Grad-Komplettversorgung über möglichst einen Kreditor mit direkter elektronischer Anbindung und leistungsfähigen Shopsystemen.
Unser Handel erhält von uns Angebote für digitale Kommunikation ebenso wie für persönliche Services, passgenaue Liefermodelle, schnelle Systeme und klar strukturierte Prozesse. Ein zentraler Baustein ist der Aufbau eines leistungsstarken Master-Data-Management-Systems, das verkaufsfertige Daten für die Systeme unserer Händler bereitstellt, sofort nutzbar am Point of Sale. Unser Anspruch ist es, dieses One-Stop-Erlebnis nicht nur für Endkunden, sondern auch für unsere eigenen Handelspartner erlebbar zu machen. Damit schließt sich der Kreis zum Förderauftrag der Genossenschaft.
Wie weit ist die Digitalisierung des Bürorings fortgeschritten?
Die Digitalisierung ist integraler Bestandteil unserer gesamten strategischen Ausrichtung. Prozesse, Systeme und Datenstrukturen sind konsequent digital, weitgehend automatisiert und zunehmend KI-gestützt beziehungsweise lernfähig aufgesetzt. Unser Fokus liegt dabei weniger auf dem Digitalisierungsgrad an sich, sondern auf der Wirkung: Geschwindigkeit, Transparenz, Skalierbarkeit und konkrete Wettbewerbsvorteile für unsere Mitglieder.
Auf der Strategietagung in Fulda wurde das Konzept „Unser Büroring der Zukunft – Chancen 2026 bis 2028“ vorgestellt. Wie war die Resonanz der Mitglieder?
Die Resonanz war außerordentlich positiv. Wir haben uns bewusst viel Zeit genommen, um mit maximaler Transparenz einen tiefen Blick auf Zahlen, Daten und die Entwicklungen der vergangenen sechs Jahre zu werfen. Im Mittelpunkt standen sämtliche Entscheidungen, Maßnahmen und Leistungen im Kontext der Transformation. Diese Offenheit – einschließlich einer detaillierten Geschäftsplanung für die kommenden Jahre – wurde von den Mitgliedern sehr honoriert. Transparenz schafft Vertrauen und Vertrauen ist die Basis für Veränderung.
Die kürzlich verkündete Partnerschaft mit der PBS Deutschland Großhandels GmbH ist ein wichtiger Schritt gewesen. Sind weitere Partnerschaften geplant?
Die Partnerschaft mit der PBS Deutschland Großhandels GmbH ist deutlich mehr als eine klassische Lieferantenanbindung. Es handelt sich um eine strategische Zusammenarbeit auf Augenhöhe – vertrauensvoll, eng verzahnt und langfristig angelegt. Auch mit der Prisma AG sowie der Winwin Office Network AG pflegen wir enge Partnerschaften. Im Hinblick auf Dienstleistungen, zusätzliche Leistungsbausteine und den Ausbau virtueller Lagerstrukturen werden wir in den kommenden 24 Monaten weitere Kooperationen vorstellen.
Welche Maßnahmen werden ergriffen, um neue Mitglieder und Lieferanten zu gewinnen?
Wir sind überzeugt: Die beste Akquise ist eine überzeugende Leistung. Innovative, wirtschaftlich relevante Mehrwerte für den Handel und konstant attraktive Angebote sprechen für sich. Grundsätzlich kann künftig jedes Handelsunternehmen unserer Branche auf Büroring-Leistungen zugreifen. Lieferanten sprechen wir entlang eines klar definierten Go-to-Market-Fahrplans für 2026 bis 2028 an, um unsere virtuellen Lager schrittweise und strukturiert auszubauen.
Digitale Produkte und Leistungen ersetzen zunehmend klassische PBS-Lösungen. Wie reagiert der Büroring auf diesen Trend?
Wir setzen konsequent auf die 360-Grad-Komplettversorgung von Unternehmen. Die enge Partnerschaft mit der PBS Deutschland ist ein wesentlicher Baustein für die Warenversorgung. Gleichzeitig erweitern wir systematisch unser Portfolio um digitale Produkte, Dienstleistungen und Services. Die Bandbreite reicht von Robotics, IT- und Managed Services über KI-gestützte Kommunikation bis hin zu Lösungen für hybrides Arbeiten, Smart Office, IoT, moderne Arbeitswelten oder Work-Healthcare-Konzepte. 360-Grad-Versorgung bedeutet, Antworten auf neue Bedarfe zu liefern und unserem Handel sichere Beschaffungswege zu eröffnen. Genau das setzen wir konsequent um.
Der Büroring feiert 2026 sein 50-jähriges Bestehen. Sind besondere Aktivitäten geplant?
Im Rahmen unserer Generalversammlung und Lieferantenausstellung in Dresden am 4. und 5. Juni 2026 werden wir gemeinsam mit Mitgliedern, Partnern und Lieferanten ein angemessenes und würdiges Jubiläum feiern. Bei aller Feierlichkeit behalten wir jedoch unser zentrales Ziel im Blick: die Zukunftsfähigkeit des Bürorings weiter auszubauen. Wenn wir 2026 nicht nur auf 50 erfolgreiche Jahre zurückblicken, sondern zugleich gestärkt in die kommenden Jahrzehnte starten, dann ist das das schönste Jubiläumsgeschenk.
Vielen Dank.
Die Fragen stellten Gerrit Krämer und Robert Nehring

