Herbsttagung des Handelsverbandes Büro und Schreibkultur (HBS)

Auf der Herbsttagung des Handelsverbandes Büro und Schreibkultur e. V. (HBS) in Berlin trafen Vertreter aus Handel, Verbundgruppen, Industrie, Messe sowie Presse zusammen, um die angespannte wirtschaftliche Lage zu diskutieren, Lösungsansätze zu eruieren und mit der Politik in den Austausch zu kommen.

Christian Heaser, Geschäftsführer HWB, Dr. Frank Wilhelmy, Geschäftsführer des Wirtschaftsforums der SPD e.V., Michael Ruhnau, Präsident HBS, und Martin Kaul, Hauptgeschäftsführer der Wirtschaftsvereinigung der Grünen e.V. (v. l. n. r.) Abbildung: HBS
Christian Heaser, Geschäftsführer HWB, Dr. Frank Wilhelmy, Geschäftsführer des Wirtschaftsforums der SPD e.V., Michael Ruhnau, Präsident HBS, und Martin Kaul, Hauptgeschäftsführer der Wirtschaftsvereinigung der Grünen e.V. (v. l. n. r.) Abbildung: HBS

Im Zentrum der Diskussionen auf der HBS-Herbsttagung stand die wachsende Sorge über schwindende Wettbewerbsfähigkeit, zunehmende Regulierungslasten und fehlende Reformbereitschaft. Die Gastbeiträge zeichneten ein einheitliches Bild: Deutschland braucht dringend bürokratieärmere, verlässlichere und praxisnähere politische Entscheidungen.

Deutliche Worte aus der Wirtschaft …

Daniela Kluckert, Mitglied im FDP-Bundesvorstand und ehemalige Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Digitales und Verkehr, sprach offen über eine Politik, die zunehmend den Praxisbezug verliere. Trotz des Potenzials von Digitalisierung und künstlicher Intelligenz werde Komplexität bislang nicht abgebaut. Thorsten Alsleben von der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) zeichnete ein schonungsloses Bild des Wirtschaftsstandortes: hohe Energiepreise, überbordende Bürokratie, kaum Reformfortschritte. Seine Warnung: Ohne spürbare Entlastungen könne ein „Winter der Entlassungen“ bevorstehen.

… und der Industrie

Frank Indenkämpen, Geschäftsführer Novus-Dahle und Vorstandsmitglied der PBS-Markenindustrie, machte die Verärgerung vieler Mittelständler deutlich. Unternehmen benötigten Freiräume und Vertrauen, kein weiteres Berichtswesen und keine neuen bürokratischen Fesseln. Christian Langwald, Leiter Wirtschaft und Statistik beim Verband der Möbelindustrie, zeigte eindringlich, wie stark insbesondere die Möbel- und Büromöbelindustrie unter den aktuellen Rahmenbedingungen leiden. Trotz hoher Beschäftigungswirkung finde die Branche kaum politische Aufmerksamkeit.

Im Anschluss ergänzten Dr. Frank Wilhelmy, Geschäftsführer des Wirtschaftsforums der SPD e.V., und Martin Kaul, Hauptgeschäftsführer der Wirtschaftsvereinigung der Grünen e.V., ihre Perspektiven. In einer gemeinsamen Debatte gaben sie Einschätzungen zur aktuellen politischen Entwicklung und diskutierten mögliche Lösungsansätze für die drängen-den wirtschaftspolitischen Herausforderungen.

Messen im Aufwind – deutsche Beteiligung verhalten

Positive Signale kamen aus der Messewirtschaft. Hendrik Hochheim (AUMA, Bereichsleiter Messen Deutschland) berichtete, dass die internationale Beteiligung an deutschen Messen stark zugenommen habe und die globale Dynamik zurückkehre. Gleichzeitig zeigte sich jedoch ein anderes Bild auf nationaler Seite: Die Teilnahme deutscher Hersteller und Händler bleibt bislang verhalten, was unter anderem auf die anhaltend angespannte wirtschaftliche Situation und Unsicherheit im Markt zurückgeführt wird.

Fazit des HBS-Präsidenten Michael Ruhnau

„Diese Tagung hat unmissverständlich gezeigt: Unsere Branche erwartet von der Politik endlich Taten statt Ankündigungen. Die Analyse von Handel, Industrie und Messewirtschaft war einhellig – Deutschland verliert dramatisch an Wettbewerbsfähigkeit, während die Bürokratie weiter wächst, statt schrumpft. Internationale Unternehmen drängen auf deutsche Messen, aber unsere eigenen Betriebe halten sich zurück – das ist ein besorgniserregendes Signal. Wir haben heute mit Vertretern verschiedener Parteien konstruktiv diskutiert, aber die Geduld der Wirtschaft ist erschöpft. Jetzt müssen verlässliche Rahmenbedingungen und spürbare Entlastungen folgen – sonst gefährden wir den Standort nachhaltig.“